Wie eine kleine Fläche auf dem Uni-Campus zum Lebensraum für Wildbienen wurde

Eine kleine Oase für Biodiversität auf dem ISPM-Campus

Versteckt im hinteren Bereich des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) an der Mittelstrasse entstand mit Campus Bees ein kleines Biodiversitätsprojekt mit grosser Wirkung. Die naturnahe Wildbienen- und Insektenoase wurde mit Unterstützung der Universität Bern, Abteilung für Nachhaltige Entwicklung, realisiert und verfolgt ein einfaches Ziel: mehr Lebensraum für bedrohte Insektenarten mitten im urbanen Raum zu schaffen.

Wildbienen gehören zu den wichtigsten Bestäubern überhaupt. Sie sichern nicht nur die Fortpflanzung zahlreicher Wildpflanzen, sondern tragen auch wesentlich zur Produktion vieler Früchte, Gemüse- und Kulturpflanzen bei. Gleichzeitig stehen sie zunehmend unter Druck. Lebensraumverlust, monotone Grünflächen, Pestizide, Klimawandel und invasive Arten wie die asiatische Hornisse setzen vielen Populationen stark zu. In der Schweiz gelten heute rund die Hälfte der Wildbienenarten als bedroht.

Dabei wird oft unterschätzt, wie spezialisiert Wildbienen sind. Viele Arten benötigen ganz bestimmte Pflanzen, Bodenstrukturen oder Nistmöglichkeiten. Anders als Honigbienen leben die meisten Wildbienen alleine und bilden keine grossen Staaten. Viele Menschen kennen zudem nur klassische «Insektenhotels». Tatsächlich nisten jedoch rund 75 % der Wildbienenarten in der Schweiz im Boden, bevorzugt an offenen, sonnigen und sandigen Stellen.

 

Ein Lebensraum statt nur ein Garten

Genau hier setzt Campus Bees an. Die Fläche wurde bewusst nicht als klassische Zieranlage gestaltet, sondern als vielfältiger Mikro-Lebensraum mit unterschiedlichen Strukturen für möglichst viele Arten.

Im Zentrum stehen offene Sandflächen und Sandlinsen, welche bodennistenden Wildbienen wertvolle Brutplätze bieten. Arten wie Sandbienen (Andrena), Furchenbienen (Halictus) oder Seidenbienen (Colletes) graben dort ihre Nester direkt in den Boden. Solche offenen Bodenstellen sind heute im Siedlungsraum selten geworden.

Zusätzlich wurden zahlreiche weitere natürliche Strukturen integriert:

  • Totholz und morsche Holzstücke

  • Steinhaufen und kleine Trockenbereiche

  • Schneckenhäuser für spezialisierte Wildbienenarten

  • markhaltige Pflanzenstängel und Hohlräume

  • Pflanzgefässe mit Stroh als mögliche Rückzugsorte für Hummeln, oder Marienkäfer

  • ein Wildbienenhaus für oberirdisch nistende Arten wie Mauerbienen

Viele dieser Elemente wirken auf den ersten Blick unscheinbar oder «wild». Genau solche Strukturen fehlen jedoch heute in vielen intensiv gepflegten Grünanlagen. Dabei bieten sie wertvolle Rückzugsorte für Wildbienen, Käfer, Schmetterlinge und zahlreiche weitere Insektenarten. 

 

Einheimische Pflanzen für ein funktionierendes Ökosystem

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt auf einem möglichst vielfältigen und standortgerechten Blütenangebot. Gepflanzt wurden mehrjährige, insektenfreundliche Arten wie:

  • Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris)

  • Bergsteinkraut (Alyssum montanum)

  • Schlüsselblume (Primula veris)

  • Polster-Steinbrech (Saxifraga)

  • Steinsame (Lithodora diffusa)

Viele Wildbienen fliegen nur kurze Distanzen und sind auf ein kontinuierliches Blütenangebot in unmittelbarer Nähe angewiesen. Besonders wertvoll sind deshalb einheimische Pflanzenarten, die Nahrung über verschiedene Jahreszeiten hinweg bieten.  

Das Projekt zeigt gleichzeitig, dass Biodiversitätsförderung nicht gross oder spektakulär sein muss. Auch kleine Flächen können zu wichtigen Trittsteinen für Insekten werden und das ökologische Netzwerk im urbanen Raum stärken.

 

Ein Ort zum Beobachten, Lernen und Inspirieren

Campus Bees soll nicht nur Lebensraum schaffen, sondern auch sensibilisieren. Die kleine Oase lädt dazu ein, genauer hinzuschauen: Wildbienen beim Nestbau im Sand zu beobachten, Hummeln zwischen Blüten zu entdecken oder zu erleben, wie viel Leben selbst auf wenigen Quadratmetern entstehen kann.

Das Projekt steht exemplarisch für eine Form von Nachhaltigkeit, die lokal, sichtbar und unmittelbar erlebbar ist. Es verbindet Umweltbildung, Biodiversitätsförderung und Eigeninitiative und zeigt, wie aus einer kleinen Idee ein lebendiger Naturraum entstehen kann.

 

Projektinformationen

Projekt: Campus Bees
Ort: Institut für Sozial- und Präventivmedizin, Universität Bern, Mittelstrasse 43
Initiator: Kris Schürch, Medizinische Fakultät, Institut für Sozial- und Präventivmedizin
Unterstützt durch: Universität Bern, Abteilung für Nachhaltige Entwicklung

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Zwei Bienenvölker ziehen auf den Campus ein